Von Schirmen und Mänteln

Veröffentlicht am 4. Juni 2023 um 12:48

Warum viele Doskozil anziehend finden, sein Mantel aber nicht jedem passt.
Und warum sich viele lieber unter Bablers Schirm zusammenfinden sollten.

 

 

Hans-Peter Doskozil, im früheren Leben hauptberuflicher "Freund und Helfer", bleibt seinem Motto treu. Er (und seine Gefolgschaft) weiß alles besser, beschützt alle armen Hascherl und breitet den Mantel seines Wohlwollens über die aus, die sich - scheinbar - selbst nicht zu helfen wissen. Wie hat es doch sein treuer Adjutant Max Lercher so schön am Parteitag formuliert: die Sozialdemokratie (gemeint ist die vom Zuschnitt eines Doskozil) muss sich wieder um die kleinen Leute kümmern. Um die, die es sich nicht selber richten können.


Das ist grundsätzlich nichts Verwerfliches. Die Sozialdemokratie ist einst ja angetreten, um den Vielen, der Mehrheit der Unterprivilegierten, zu helfen und um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie ist aber auch angetreten, um einen gleichsam solidarischen Schirm auszubreiten. Ein Schirm, unter dem sich gleiche Chancen finden lassen, einer, der dem eiskalten Regen des Kapitalsmus trotzt und niemanden im Regen stehen lässt.


Doskozils Ansinnen und Vorschläge sind grundsozial und gut gemeint. Er verteilt jedoch nur Regenmäntel. Symptomatische Hilfen im Bereich der Pflege, gegen Spekulation im Gesundheitsbereich. Wer sich sein rotes und teuer erkauftes Manterl anziehen darf findet in der Tasche auch gleich das Etikett "zu Dank verpflichtet". Die Sozialpolitik des Burgenländers ist eine paternalistische und eine, die hauptsächlich klein-klein die Auswüchse und Symptome unseres kranken Systems lindert, nicht jedoch an den Wurzeln anpackt.


Das kommt - für kurze Zeit - dennoch gut an. Und einmal ehrlich: jede kleine Hilfe ist besser, als gar keine Hilfe. Da vergisst man auch gelegentlich, dass es für die verdreckten und fast erfrierenden Kinder aus Moria eben kein Regenmanterl gibt. Die grantelnde Mehrheit der Kronen-Zeitung lesenden Selbstgerechten würde das nicht goutieren. Da übersieht man auch gerne, dass der frühere Polizeioffizier wenig mit der Wirksamkeit von Frauenquoten anfangen kann und schenkelklopfend ganz gern eine gender-skeptische Meinung teilt.


Hans-Peter Doskozil ist Sozialdemokrat und vielleicht sogar Genosse. Letzteres Wort behagt ihm weniger, Kollege reicht ihm schon voll und ganz, Herr General war ihm lieber, Herr Landeshauptmann noch viel mehr. Und mit der Krone des Parteivorsitzes wurde gar sein - vermeintlicher - Lebenstraum wahr. Vielleicht könnte er damit in Zukunft noch mehr rote Manterl verteilen. Er würde es sich wünschen, weil ihm dann die, die es sich nicht selber richten können, dankbar sein würden.


Statt aber jeder für sich allein, mit einem roten Regenmanterl, im Regen herumzustehen, wäre es der Sozialdemokratie besser angestanden, ein Kapitel der Schutzschirme aufzuschlagen. Statt paternalistisch und symptomatisch zu intervenieren hätte die Möglichkeit bestanden, die, die es sich nicht selber richten können, zur Selbstermächtigung aufzurufen. Die Bewegung des Andi Babler hat es aufgezeigt. Das Framing der Neoliberalen als nichts Selbstverständliches hinzunehmen. Das Narrativ der Konservativen nicht als Naturgesetz zu verstehen. Selbstbewusst die Ungerechtigkeiten anzusprechen und für deren grundsätzliche Abschaffung einzutreten. Nicht einfach nur da und dort mit Steuermittel etwas einzugreifen, sondern doch gleich das Steuersystem zu ändern. Die Reichen und (reichsten) Erben mitzahlen lassen an einer Ein-Klassen-Medizin statt Ärzte zu subventionieren.


Ein Regenmantel ist gut gemeint, wenn's schüttet. Er passt aber nicht jedem und: wer schlüpft schon gern in jemandes and'rer Haut? Unter einem gemeinsamen Schutzschirm kämpft es sich besser gegen die Widrigkeiten. Ein Schirm hat auch eine Spitze, mit der man sich gegebenfalls verteidigen kann. Die SPÖ soll keine rote Caritas sein, die Kleiderspenden verteilt. Die SPÖ muss - allein um ihres Gründungswillens wegen - kämpferisch die Mittel zur Selbstermächtigung bereitstellen.


Doskozil ist ein Manteltyp, Babler ein Regenschirmmensch.


Eine Einigkeit vieler rotet Mantelträger mag zwar ein schönes Bild abgeben, gegen schwarz-blaue Unwetter braucht's aber eine breite Basis an selbstbewussten Menschen, die dazu ermuntert werden selbst und in solidarischer Einigkeit gegen die Auswüchse des Systems aufzustehen. Die Regenschirmträger:innen brauchen nicht den guten Papa, der's schon richten wird. Sie brauchen vielleicht einen, der vorangeht und ermutigt. Aber keinen, der die Mäntel verteilt.

Die SPÖ hat - so fürchte ich - am Parteitag nicht über den Abend hinausgedacht und nur die schönen roten Manterl gesehen, die man sofort anziehen könne, wenn sich draußen ein schwarz-blaues Unwetter anbahnt. Vielleicht ist das aber auch so typisch österreichisch, dass man sich lieber auf jemand verlässt, der's vielleicht schon richten wird. Es ist ja bequemer, als selbst aufzustehen und mitzukämpfen.
Alle, die jetzt resigniert und enttäuscht weder zu Mantel noch zu Schirm greifen und kopflos das Gebäude verlassen werden aber mit Sicherheit noch mehr in die Traufe kommen. Die roten Mäntelchen werden von den konservativen Medien bald zerfetzt werden. Die Zeit der spitzen Schirme wird noch kommen!

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